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Die Teufelskanzel


Vom Blick von der Teufelskanzel auf Lindewerra, den hufeisenförmigen Werralauf und in das hessische Bergland war der Lyriker und Novellist Theodor Storm (1856-1864 preußischer Kreisrichter in Heiligenstadt) so begeistert, daß er in seiner Novelle "Eine Malerarbeit" schwärmte: "Wer dessen noch fähig war, der mußte hier von Lebens und Liebeslust bestürmt werden."

Es ist wohl wirklich einer der schönsten Panoramablicke, den man von hier aus genießen kann, deshalb ist der Felsen selbst und das in unmittelbarer Nähe 1882 errichtete Wirtshaus ein zu jeder Jahreszeit gern besuchtes Wander- und Ausflugsziel. Mangels wissenschaftlicher Erklärungsmöglichkeit für den gewaltigen Sandsteinfelsen, der schon in germanischer Zeit als Opferstätte gedient haben soll, und für das "Hufeisen" der Werra glaubten und erzählten sich unsere Vorfahren die schöne Sage von der Teufelskanzel.

Die Sage von der Teufelskanzel


Vor vielen, vielen Jahren in der Walpurgisnacht, da der Frühling geheimnisvoll in den Birken webte, ritten Hexen, Hexenmeister und auch der Teufel zum Blocksberg im Harz. Dort feierten sie nach altem Brauch tanzend, schmausend und zechend ihr höchstes Fest. Als es im besten Gange war, wurde Ruhe geboten. Der Teufel stieg auf einen der umherliegenden Felsen und hielt eine Rede, in der er sich seiner Macht und Stärke rühmte und die Hexen mehrfach beleidigte. Als er aufgehört hatte, fragten ihn die Hexen, ob er denn auch imstande sei, den Felsbrocken, der ihm als Kanzel gedient habe, zum Hohen Meißner in Hessen zu tragen, ohne sich nur ein einziges Mal auszuruhen. "Eine Kleinigkeit für mich!" meckerte der Schwarze, schnitt eine komische Grimasse und scharrte mit seinem Pferdefuß vor Übermut. Verschiedene Hexenmeister aber erdreisteten sich, die Behauptung ihres Oberherrn zu bezweifeln, indem sie sagten: "Was gilt die Wette?" Man vereinbarte einen Preis, und weiter bis fast zum Morgengrauen ging der wilde Tanz. Als er zu Ende war, packte der Teufel den Felsen und fuhr pfeilschnell, einen stechenden Schwefelgestank verbreitend, durch die Luft dem Meißner zu. Eine Weile ging es ganz gut; aber als er über das Eichsfeld mit den vielen Kreuzen auf den Kirchtürmen und in der Feldflur flog, wurde er immer schwächer, und er fühlte doch, daß er seinen Kräften zuviel zugetraut hatte. Er geriet in Schweiß, ächzte und stöhnte, weil der schwere Stein anscheinend mit jeder weiteren Sekunde an Gewicht zunahm. Ganz ermattet erreichte der Teufel endlich den Höheberg. Noch ein Katzensprung, dann war er auf dem Meißner, den er schon sah, und hatte seine Wette gewonnen. Doch es ging nicht mehr. Er mußte ausruhen und dachte, es in dieser menschenleeren Gegend ruhig tun zu können.
Der Schwarze fuhr aus der Höhe herab, streckte seine Glieder im duftigen Grase aus und schlief ein. Als er einen Augenblick so gelegen hatte, ruderte ein Hexlein auf seinem Reiserbesen durch die Lüfte, sah den höllischen Oberherrn trotz ihrer triefenden, roten Äuglein und rief halb erschreckt und halb erstaunt: "Hans, was machst du da?" Erschrocken fuhr der Angerufene aus dem tiefsten Schlummer empor. Beschämt und ärgerlich, sich auf diese Weise ertappt zu sehen, fuhr er in die Lüfte, zerriß die Hexe und sprang in das Tal hinunter, wo sich sein Pferdefuß tief in das Erdreich drückte. Er verschwand, ohne sich weiter um den Steinblock zu kümmern.

(Nach Heinrich Lücke)